“Save the Cat!” – Ein Drehbuchratgeber

Cat

Save the cat *

Stellt euch vor, ein recht unsympathischer, mürrischer Held tritt auf und tut kurz darauf etwas Unerwartetes: Er rettet ganz selbstlos eine Katze. Auf welche Weise auch immer. Und sofort mögen wir ihn. Der Film ist gerettet. Und der Roman auch.

So eindeutig und klar strukturiert kommt das Buch mit diesem Titel daher. Blake Snyder ist Drehbuchautor in Hollywood und hat seine Tipps und Tricks in diesem Buch zusammengestellt.

Ich bin ja nun kein Fan von Schreibratgebern – wie ihr wahrscheinlich schon wisst. Ich habe sogar eine echte Aversion gegen das detaillierte Planen von Romanen. Mir geht es dann nämlich immer so, dass ich das Interesse sofort verliere, wenn ich weiß, wie die Geschichte läuft. Danach ist das Schreiben nur noch Arbeit und macht nicht das geringste Vergnügen. Einen Roman nur nach Gefühl und mit spontanen Einfällen zu schreiben, hat allerdings auch so seine Tücken. Und daher bewundere ich die Autoren, die eine Geschichte über zwei, drei Bände planen und dann durchziehen können.

Wem diese Vorgehensweise liegt, für den dürfte Save the Cat! eine wahre Fundgrube sein. Snyder geht äußerst geplant vor: Als erstes gilt es, einen einzigen Satz zu entwicken, der die Geschichte beschreibt, und diesen dann an wildfremden Menschen auf seine Spannungstauglichkeit zu testen.

Uff!

Erst danach wird der Held charakterisiert. Und auch an den  Helden gibt es einen klaren Hauptanspruch: Er muss nämlich entwicklungsfähig sein. Das Gegenteil definiert übrigens den Antagonisten, der zeigt im Laufe der Geschichte keine Entwicklung.

Spätestens hier wird der Unterschied zwischen Film und Roman allerdings sehr deutlich. Ein Film muss seine Geschichte in ca. 90 Minuten erzählen. Aber selbst Schnellleser wie ich brauchen für einen durchschnittlichen Roman drei bis fünf Stunden. Und so ein Roman bietet viel mehr Raum als ein Film, so dass sogar ein Antagonist eine Veränderung durchmachen kann.

Wie dem auch sei, eine Geschichte, in der der Held am Ende genauso da steht wie am Anfang, ist irgendwie langweilig. Selbst in Serien, wo der Wiedererkennungswert einer Hauptfigur vorrangig ist, gibt es oft genug Entwicklungen und inneres Wachstum des oder der Helden.

Für diejenigen unter euch, die sich mit Romanstrukturen befassen, hier noch ein Hinweis: Snyder bevorzug die 3-Akt-Struktur. Für den Film macht sie Sinn, denke ich, gerade wieder, weil die Erzählzeit so begrenzt ist. Ich mag sie dennoch, weil sie rasante Geschichten fordert. Ich habe genug Romane gelesen habe, die in der Mitte ziemlich durchhängen und an Spannung verlieren. Vielleicht hätte die knackige 3-Akt-Struktur dabei geholfen. (Oder wahlweise ein gutes Lektorat …)

Ich bin nicht sicher, ob sich die Ratschläge für gute Drehbücher wirklich eins zu eins auf Romane übertragen lassen. Dennoch hat mir dieses Buch eine Menge Anregungen gegeben und so manche Struktur klarer werden lassen. Vieles habe ich offenbar schon intuitiv umgesetzt, aber jetzt kenne ich einen Grund, warum ich manche meiner Geschichten mehr mag als andere. Ich werde mir da die Strukturen noch einmal genauer ansehen.

Und obwohl ich ja nun keine gute Romanplanerin bin, versuche ich gerade, gemeinsam mit einem Freund dem Schema von Snyder zu folgen und einen Roman zu entwickeln. Dieser Freund ist ein Anhänger gründlicher Planung, es treffen also zwei sehr unterschiedliche Charaktäre auf einander. Mal sehen, was draus wird. Bislang gestaltet sich die Arbeit mühsam, aber ich hoffe, dass wir einen Mittelweg finden, der uns beiden gerecht wird.

* Image courtesy of noomhh / FreeDigitalPhotos.net

About Hannah Steenbock

Ich bin Autorin, Therapeutin und Träumerin. - I'm an author, therapist and dreamer.
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